Das NoNa-System für geschlechtsneutrales Deutsch wurde (und wird) von Noah und Jona, zwei nicht-binären Personen, entwickelt mit dem Ziel, einen Beitrag zur Sichtbarmachung von geschlechtsdiversen, genderqueeren, agender und/oder nicht-binären Menschen in der deutschen Sprache zu leisten. Grammatikalische Kategorien, die seit jeher von Binarität geprägt sind, werden neu gedacht, überarbeitet, ergänzt und optimiert. Dabei ist der Anspruch, dass sich die neuen Formen möglichst natürlich ins Deutsche einfügen, um eine gute Lesbarkeit und einfache Aussprache zu gewährleisten. Die angestrebte Selbstverständlichkeit von geschlechtsneutralem Deutsch spiegelt sich auch in der Bezeichnung des Systems wider: “NoNa“ steht für den in der österreichischen Umgangssprache gebräuchlichen Ausruf “No na!”, was so viel bedeutet wie “Jo eh!” oder auf Hochdeutsch “Was sonst?” und stellt weiters eine Kombination der Vornamen der beiden Entwickler*innen dar.

Pronomen

1. Fall / Nominativ

er/sie/es

hen

2. Fall / Genitiv

sein/ihr/sein

hens

3. Fall / Dativ

ihm/ihr/ihm

hem

4. Fall / Akkusativ

ihn/sie/es

hen


Statt “er” oder “sie” kann “hen” nach dem NoNa-System als geschlechtsneutrale Pronomen-Alternative verwendet werden. Die Beugung orientiert sich an im Deutschen gebräuchlichen Endungen; erster und vierter Fall sind ident.

Anwendung:

Robin ist eine nicht-binäre Person. Hen möchte das NoNa-System in der deutschen Sprache etablieren. Hens Freund*innen helfen hem und verwenden von nun an nur noch geschlechtsneutrale Pronomen für hen.


Possessivpronomen


An die Possessivpronomen “mein”, “dein”, “sein”, “ihr”, “unser”, “euer” und “ihr” wird ein “-t” angehängt, um die geschlechtsneutrale Form zu bilden.

1. Fall / Nominativ

mein/dein...

meint/deint...

2. Fall / Genitiv

meines/deines...

meinter/deinter...

3. Fall / Dativ

meinem/deinem...

meintem/deintem...

4. Fall / Akkusativ

meinen/deinen...

meint/deint...

Anwendung:

Meint Kolleg*in heißt Robin. Die Pronomen meinter Kolleg*in sind hen/hem. Zum Geburtstag möchte ich meintem Kolleg*in ein Buch über geschlechtsneutrale Sprache schenken. Ich denke, das wird meint Kolleg*in sehr freuen.


Universalpronomen

1. Fall / Nominativ

jeder/jede/jedes

jedai

2. Fall / Genitiv

jedes/jeder/jedes

jedais

3. Fall / Dativ

jedem/jeder/jedem

jedam

4. Fall / Akkusativ

jeden/jede/jedes

jedai


Das im NoNa-System verwendete geschlechtsneutrale Universalpronomen “jedai” setzt sich aus dem Stamm “je-” und dem bestimmten Artikel “dai” zusammen.

Anwendung:

Jedai kann etwas zur Verbreitung von geschlechtsneutralem Deutsch beitragen. Die Bemühungen jedais einzelnen zählen. Es ist hilfreich, jedam davon zu erzählen. Geschlechtsneutrale Sprache kann für jedai von Vorteil sein.

Demonstrativpronomen

1. Fall / Nominativ

dieser/diese/dieses

diesai

2. Fall / Genitiv

dieses/dieser/dieses

diesais

3. Fall / Dativ

diesem/dieser/diesem

diesam

4. Fall / Akkusativ

diesen/diese/dieses

diesai


Um geschlechtsneutrale Demonstrativpronomen mit dem Stamm “dies-” zu bilden, werden die Endungen des bestimmten Artikels angehängt.


Beim Stamm “jen-” wird nach demselben Prinzip vorgegangen.

1. Fall / Nominativ

jener/jene/jenes

jenai

2. Fall / Genitiv

jenes/jener/jenes

jenais

3. Fall / Dativ

jenem/jener/jenem

jenam

4. Fall / Akkusativ

jenen/jene/jenes

jenai

Anwendung:

Diesai/jenai Kolleg*in ist schon lange mit Robin befreundet. Vor allem die Gedanken diesais/jenais Kolleg*in zu geschlechtsneutraler Sprache sind für Robin bereichernd. Hen kann mit diesam/jenam Kolleg*in stundenlang über Grammatik sprechen. Das NoNa-System ist für diesai/jenai Kolleg*in von großer Bedeutung.

Relativpronomen

1. Fall / Nominativ

welcher/welche/  welches

welchai

3. Fall / Dativ

welchem/welcher/ welchem

welcham

4. Fall / Akkusativ

welchen/welche/ welches

welchai


Die Bildung der geschlechtsneutralen Relativpronomen erfolgt nach dem Muster der Demonstrativpronomen, so erhält der Stamm “welch-” die Endungen des bestimmten Artikels im ersten, dritten und vierten Fall.

Anwendung:

Robins Freund*in, welchai nicht-binär ist, verwendet auch geschlechtsneutrale Pronomen. Robins Professor*in an der Uni, welcham das NoNa-System gefällt, spricht in der Vorlesung darüber. Und Robins Ärzt*in, welchai hen schon seit vielen Jahren kennt, bemüht sich, geschlechtsneutrale Sprache in der Ordination anzuwenden.

Artikel

Unbestimmter Artikel

1. Fall / Nominativ

ein/eine/ein

eint

2. Fall / Genitiv

eines/einer/eines

einter

3. Fall / Dativ

einem/einer/einem

eintem

4. Fall / Akkusativ

einen/eine/ein

eint


Um den unbestimmten Artikel zu bilden, wird im NoNa-System an den Stamm “ein-” die Endung “-t” angefügt. Die Bildung der geschlechtsneutralen negativen Form des unbestimmten Artikels (analog zu keiner, keine, keines) erfolgt durch Hinzufügen von “k-” am Beginn (keint, keinter, keintem, keint).

Anwendung:

Eint Freund*in von mir beschäftigt sich schon seit längerer Zeit mit geschlechtsneutralem Deutsch. Die Neugier eintes Linguist*in wurde ebenfalls geweckt. Mit eintem Expert*in an der Entwicklung genderneutraler Sprache zu arbeiten, erleichtert die Aufgabe enorm. Eint Journalist*in interessiert das NoNa-System auch. Keint Wissenschaftler*in hat bis jetzt so umfangreich zu der Thematik geforscht.


Bestimmter Artikel


Der bestimmte Artikel “dai” stellt die geschlechtsneutrale Alternative zu “der” und “die” dar. Er wird größtenteils mit im Deutschen üblichen Endungen dekliniert; erster und vierter Fall sind auch hier ident.

1. Fall / Nominativ

der/die/das

dai

2. Fall / Genitiv

des/der/des

dais

3. Fall / Dativ

dem/der/dem

dam

4. Fall / Akkusativ

den/die/das

dai

Anwendung:

Dai Student*in schreibt eine Arbeit über geschlechtsneutrale Sprache. Die Arbeit dais Student*in ist so gut, dass dai Professor*in dam Student*in vorschlägt, diese bei einem Wettbewerb einzureichen. Dieses Lob freut dai Student*in sehr.

Substantive

Geschlechtsneutrale Substantive werden im NoNa-System mit dem Asterisk (“Gendersternchen”) gebildet. Ausgesprochen wird dieses mit einem Glottisschlag (kurze Sprechpause an der Stelle des Sternchens). Diese Lösung ist leider bei Wörtern wie “Bekannte*r” nicht optimal, deshalb wird daran aktuell noch gearbeitet.

Anwendung:

Student*in, Mitarbeiter*in, Pfleger*in, Kolleg*in, Freund*in, Schüler*in, Autor*in, Ärzt*in, Lehrende*r, Angestellte*r

Adjektive

1. Fall / Nominativ

eint gute Freund*in

dai gute Freund*in

2. Fall / Genitiv

einter guten Freund*in

dais guten Freund*in

3. Fall / Dativ

eintem guten Freund*in

dam guten Freund*in

4. Fall / Akkusativ

eint gute Freund*in

dai gute Freund*in


Die Deklination der Adjektive gleicht im NoNa-System jener der Feminina im Deutschen, die Endungen der Substantive bleiben unverändert. 

Die Bildung der beiden Steigerungsformen, Komparativ und Superlativ, erfolgt nach demselben Prinzip (eint bessere Freund*in, dai beste Freund*in).

Anwendung:

Dai gute Freund*in verwendet geschlechtsneutrale Sprache. Die Eltern dais guten Freund*in versuchen, dies auch zu tun. Um dam guten Freund*in respektvoll begegnen, sollte zuerst nach den korrekten Pronomen gefragt werden. Das NoNa-System hat sich für dai gute Freund*in als passend herausgestellt.

Anrede

In der geschlechtsneutralen Anrede findet, wie bei den Substantiven, der Asterisk (“Gendersternchen”) Anwendung. Unterschieden wird zwischen der Du-Form (“Lieb*…”) und der Höflichkeitsform (“Sehr geehrt*…”).

Anwendung:

Lieb* Robin, ich wünsche dir alles Gute zum Geburtstag!

Sehr geehrt* Robin Musterenby, wir danken für Ihre Nachricht und melden uns in Kürze!

Präpositionen

Präpositionen wie “bei”, “zu”, oder “von” werden wahlweise mit dem bestimmten oder dem unbestimmten Artikel kombiniert. Bei ersterem ist auch im NoNa-System, ebenso wie in nicht-geschlechtsneutralem Deutsch, eine Verschmelzung der beiden Formen möglich. Diese gleicht dem Maskulinum.

Anwendung:

Gestern war ich bei eintem Freund*in und danach bei einer Bekannten zu Besuch. Beim (bei dam) Freund*in habe ich einen schönen Abend verbracht.

Morgen wird Robin zu eintem Kolleg*in und dann einkaufen gehen. Zum (zu dam) Kolleg*in geht hen regelmäßig.

Von eintem Autor*in und einer Illustratorin habe ich ein signiertes Buch bekommen. Ich wollte vom (von dam) Autor*in schon lange ein Buch haben, weil hen in geschlechtsneutraler Sprache schreibt.

Beispiele

Folgende Beispiele sollen veranschaulichen, wie die praktische Anwendung des NoNa-Systems im Rahmen verschiedener Textsorten aussehen kann.

Liebe Kolleg*innen,

ich möchte euch bitten, ab sofort in eurer mündlichen und schriftlichen Sprache geschlechtsneutrales Deutsch nach dem NoNa-System zu verwenden. Nächste Woche findet dazu außerdem ein Vortrag, gehalten von eintem Freund*in von mir, dai eint Expert*in auf dem Gebiet ist, statt. Wenn eint von euch Fragen hat, kann hen sich gerne bei mir melden, ich nehme mir für jedai Zeit. (Mail)


In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde in Wien eine Hausmauer mit Graffiti besprüht. Eint verdächtige Sprayer*in, welchai schon öfter durch das Schreiben der Zeile “Geschlechtsloser Lauch” aufgefallen war, konnte bereits ausgeforscht werden, hen ist jedoch mittlerweile untergetaucht, wie eint Polizeisprecher*in bestätigte. (Bericht)


Was ich am Wochenende gemacht hab? Am Samstag war ich mit eintem lieben Kolleg*in spazieren. Hen hat mir viel von geschlechtsneutralem Deutsch und dem NoNa-System erzählt und mir empfohlen, mich näher damit auseinanderzusetzen, weil hens Meinung nach wirklich jedai davon profitieren kann. Danach waren wir noch bei hens Geschwister zu Besuch und haben bis spät in die Nacht Karten gespielt. Am Sonntag habe ich lange geschlafen und dann die Zeit genutzt, um zum NoNa-System zu recherchieren. Ich finde vor allem die geschlechtsneutralen Pronomen sehr praktisch, weil sie mir die Möglichkeit geben, korrekt über dai nicht-binäre Kolleg*in, welchai ich am Samstag getroffen habe, zu sprechen. Ich stimme hem voll zu, dass geschlechtsneutrales Deutsch wichtig für jedai ist und möchte deswegen aktiv zur Verbreitung des NoNa-Systems beitragen. (Erzählung)


Es war einmal vor langer Zeit eint mächtige König*in. Hen lebte in einem riesigen Schloss zusammen mit hens Freund*in. Dennoch war dai König*in oft gelangweilt und eines Tages sagte hen zum Freund*in: „Du bist dai Wichtigste in meinem Leben, meint beste Freund*in! Bitte hilf mir gegen diese Langeweile!“ Dai Freund*in dachte lange nach. Hen wusste: „Bis jetzt hab ich noch jedam bei Problemen helfen können!“ und hatte auch alsbald eine Lösung parat: Hen schenkte dam König*in zwei kleine Kätzchen, sodass hen von nun an den lieben langen Tag mit deren Pflege und Bespaßung beschäftigt war. So lebten alle glücklich und zufrieden – dai König*in, dai Freund*in und die beiden Kätzchen. (Märchen)

In Arbeit

Das NoNa-System versteht sich als work in progress. An dieser Stelle werden jene Punkte angeführt, an denen wir gerade arbeiten, um geschlechtsneutrale Formulierungen möglichst organisch in die deutsche Sprache einzufügen.

  • Verwandtschaftsbezeichnungen
  • Anrede in der Höflichkeitsform (“Herr/Frau/? + Nachname”)
  • Geschlechtsneutrale Endungen für Substantive, an die kein -*in suffigiert werden kann (z.B.: Bekannter/Bekannte, Fremder/Fremde,…)
  • Kombination von Anrede und substantiviertem Partizip Perfekt (z.B.: Lieber Auserwählter/Liebe Auserwählte/Lieb* Auserwählt?)
  • Substantivierte Adjektive (z.B.: ein Verdächtiger/eine Verdächtige/eint Verdächtig*?)

Eine tabellarische Übersicht über das NoNa-System sowie eine Auflistung anderer geschlechtsneutraler deutscher Grammatiksysteme findest du im